Bin ich schön? - Eine bohrende Frage und ihre schale Antwort

Es ist wieder soweit: zum bereits vierten Mal geht “Germany’s Next Topmodel”, vielleicht Pro7s größtes Zugpferd, an den Start - und tritt damit erneut eine der am meisten umstrittenen und diskutierten Fragen unserer Zeit los: was ist Schönheit?
Tausende junger Mädchen strömten zu den Massencastings in verschiedenen deutschen Großstädten - und erlitten das gleiche Schicksal wie die Motte, die sich zu nahe an das Licht wagt. Gnadenlos abgewatscht von Kommentaren der Art “Du bist zu dick” /”zu alt” / “zu klein”/ “viel zu unscheinbar” wurden sie nach Hause geschickt, was so manche an ihrem Selbstwertgefühl zweifeln ließ. Eine klassische, aber abgewiesene, Naturschönheit stellte schließlich stellvertretend für zig andere mit tränenerstickter Stimme die Frage: “Bin ich schön!?”
Zweifellos möchte man dies bejahen, doch liegt das Empfinden darüber, was schön ist und was nicht, längst nicht mehr nur im Auge des Betrachters.
Die Sucht nach der makellosen, ewigen Schönheit ist nun nicht mehr nur eine Frage des fortgeschrittenen Alters, sondern macht sich mittlerweile in erschreckender Weise bereits bei jungen Mädchen bemerkbar: statt mit Teddybären und Baby-Born-Puppen wird nun schon im Kindergarten lieber mit Kajalstift und Wimpernzange gespielt und spätestens mit 16 sollte ernsthaft über eine Postraffung oder Brustvergrößerung nachgedacht werden.
“Wer schön sein will, muss leiden” - diese Binsenweisheit unserer Großeltern scheint inzwischen zum Lebensmotto einer ganzen Gesellschaft geworden zu sein. Nicht vorhandene Fettpölsterchen werden im Fitness-Studio heruntergestrampelt, kaum sichtbare Fältchen mit heillos überteuerten Wundercremes bekämpft und der Partner allzu oft nicht mehr nach seinen inneren Werten, sondern ausschließlich nach seinem ausgeprägten Sixpack oder dem perfekten Bodymass-Index ausgewählt.
Nicht selten bezahlt man den unersättlichen Hunger nach Schönheit und Anerkennung mit Magersucht, Mangelerscheinungen und im extremsten Fall sogar mit dem Leben. Ist es das wirklich alles wert?
Es scheint so, denn nichts zählt in der heutigen Gesellschaft wohl mehr als Schönheit. Daran kann auch die oft proklamierte Maxime “Bildung ist Macht” nichts ändern, denn jemand mag noch so intelligent, kultiviert und gebildet sein, ist er nicht schön, so bringt ihm auch sein Wissen höchstens Respekt, nicht aber den heiß ersehnten Ruhm und Starrummel ein.
Beschreitet die heutige Gesellschaft weiterhin den eingeschlagenen Weg nach grenzenloser, ewiger Schönheit, mündet sie früher oder später in eine Sackgasse, aus der sie dann auch all die phänomenalen kosmetischen Eingriffe und Operationen nicht mehr retten können.

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