Im 18. Jahrhundert war eine schmale weibliche Taille das Schönheitsideal. Frauen zwängten sich in eng geschnürte Korsetts, um attraktiv zu wirken. Die Folgen, Taubheitsgefühle im Unterkörper und den Beinen, häufige Ohnmachten bis hin zur Schädigung der inneren Organe durch Verlagerung und Kompression und (bei verfrühtem Einsatz eines Korsetts) verformten Knochen, wurden in Kauf genommen. In China wurden Mädchen von klein auf jahrelang die Füße mit Bandagen eingebunden, um winzige Füße zu erreichen. Nur kleine Füße galten als schön, dass die Frauen mit ihren verkrüppelten Füßen kaum laufen konnten, war nicht von Interesse.
In der heutigen Zeit können diese Schönheitsideale nicht mehr nachvollzogen werden. Doch ist es in unserer aufgeklärten Zeit wirklich besser? Heute muss eine Frau jung, schlank, sportlich und gebräunt daherkommen, um als schön zu gelten. Älterwerden gilt nahezu als Krankheit, Übergewicht als hässlich.
Um das Schönheitsideal zu erreichen, werden Diäten, Kosmetika, obskure „Wundermittel“ und sogar Operationen angewandt. Die kosmetische Industrie verdient Milliarden mit Mitteln, die angeblich dafür sorgen, dass die Haut straffer wird, Falten und Fältchen verschwinden, das Haar glänzt, und, und, und. Jeden Tag taucht ein neues „Wundermittel“ oder eine neue „Super-Diät“ für eine schlanke Figur auf dem Markt auf. Immer höher wird die Zahl der Schönheits-Touristen: Wer sich in Deutschland keine Schönheits-Operation leisten kann, fährt ins nahegelegene Ausland, um dort günstiger die gewünschte „Verschönerung“ durchführen zu lassen. Ob es nun Fettabsaugen, Brustvergrößerung oder Nasenkorrektur ist, auch die kosmetische Chirurgie boomt.
In sämtlichen Medien, sei es nun im Internet, Fernsehen, Radio oder in Zeitschriften und Zeitungen wird das Schönheitsideal der heutigen Zeit präsentiert. Es wird in der Werbung suggeriert, dass Erfolg, Glück und Anerkennung durch Schönheit garantiert werden. Gerade Mädchen und junge Frauen werden so stark davon beeinflusst, dass einzig „schön“ zu sein noch zählt. Models oder Stars mit überschlanker Figur werden zu Idolen, denen es nachzueifern gilt, und das mit allen Mitteln. Da werden obskure Wunderpillen geschluckt, Diäten gemacht, exzessiv Sport betrieben, gehungert oder Nahrung bewusst wieder erbrochen, um abzunehmen. Der in den Medien propagierte Idealkörper entspricht nicht realistischen Gegebenheiten, dennoch gilt er in der Gesellschaft als Maßstab für Schönheit. Um schön und damit sozial anerkannt zu sein, riskieren immer mehr Mädchen und junge Frauen ihre Gesundheit. Dass sich hinter der Hochglanzfassade der Stars und Models Drogen, Stress und Krankheiten wie Magersucht verbergen, wird genauso ignoriert wie Meldungen über Opfer der Sucht nach Schönheit. Der Tod des brasilianischen Fotomodells Ana Carolina Reston mit 21 Jahren an Magersucht beispielsweise ist ein trauriges Beispiel für die Auswirkungen des Schlankheitswahns unserer Zeit. Trotzdem werden weiterhin Stars wie Angelina Jolie oder Keira Knightly den Maßstab für Schönheit darstellen und Mädchen und Frauen mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit versuchen, ähnlich schlank zu werden.
Schönheitsideale wandeln sich im Laufe der Zeit und so wird ein Umdenken der Gesellschaft dem Schlankheitswahn ein Ende setzen können. Sicher ist jedoch, dass auch ein anderes Schönheitsideal wieder “Süchtige” hervorbringen wird, denn die meisten Menschen wollen schön sein und dazugehören.
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