Als ich noch ein Knabe war und gerade zwölf zarte Lebensjahre zählte, besuchte ich unter dem üblichen Protest von Heranwachsenden bei solcherlei Unternehmungen, aber konsequent forciert durch den starken Willen meiner Mutter, das Geschäftslokal des örtlichen Friseurs für stylische Frisuren.
Ziel meiner Mutter war es, das wilde Wachstum meiner Haare gebändigt zu bekommen, denn trotz ihrer bemerkenswerten Fähigkeit, Probleme schnell anzupacken und mit einfachen Mitteln zu lösen, traute sie sich auch unter den aufmunternden Zurufen meiner großen Brüder nicht, mit der Heckenschere meinen Nacken und die Ohren wieder frei zu legen; zu stark erinnerte die nahende Szene an vergleichbare Abenteuer des bekannten Michel von Lönneberga. Die stichelnden Bemerkungen seitens erwähnter Brüder im Stile von Hättest du rote Haare, würde Moses dich den brennenden Busch nennen! oder Bevor man das Biotop abholzen darf, braucht man erst einmal eine Genehmigung! ignorierte ich beflissentlich –schließlich verfolgte ich höhere Ziele: Als glühend begeisterter, wenn auch etwas später Fan der Beatles, hatte ich es mir etwa im Jahr 1992 in meinen jungen Kopf gesetzt, die Haare erst lang wuchern und anschließend zum richtigen Zeitpunkt von der geübten Hand eines Friseurmeisters meines Vertrauens in die Form des berühmten Pilzkopfes schneiden zu lassen.
Meine Wünsche und Träume zählten nur untergeordnet, die klaren Machtworte meiner Frau Mutter wogen um so schwerer. So befanden wir uns eines Sommertags an eingangs beschriebener Stelle auf dem Weg zum einzigen Friseur unseres Dorfes; zwar ist die äußere Erscheinung auf dem Lande nicht ganz so wichtig für das soziale Miteinander wie in dichter besiedelten Gebieten, dennoch wurde es meiner Mutter schließlich zu bunt und so fand ich mich auf dem erhöhten grünen Plastiksessel des Friseurs wieder, unwiderruflich gefesselt durch die weiße Halskrause.
Die liebe Mutter zeigte sich kompromissbereit und wandte sich am dem Friseur, der sich als Gastfriseur aus dem nächstgelegenen Städtchen vorstellte: „Mein Sohn möchte gern einen Pilzkopf haben, Sie wissen schon – wie die Beatles.“ Der Friseur flaxte meine Mutter keck an und grinste, ganz offensichtlich ohne zuzuhören oder gar über den Inhalt ihrer Worte nachzudenken: Ja, ich hab da eine super Frisur, die ist momentan total ‚in’ und sieht total schick aus, das wollen alle kleinen Jungs!
Ich ahnte Schlimmes – sowas kannte man doch aus Erzählungen? Jedenfalls hatte ich ein ungutes Bauchgefühl und bei mir schrillten alle Alarmglocken: Ich wollte nichts, was in war, ich wollte meinen Pilzkopf! Außerdem hatte ich keine Lust auf eine schicke Frisur, mit der jeder durchschnittliche Depp herumläuft, ich wollte meinen individuellen Stil stolz und offen ausleben!
Eigentlich will ich gar nichts, was in … begann ich, doch da surrte es schon elektrisch und bedrohlich auf meiner Kopfhaut, als der übermütige Haarschänder mit geübter Hand eine etwa drei Zentimeter breit Spur quer über meinen Kopf vom Nacken bis zur Stirn zog. Ich war fassungslos. Tränen der Wut und der Enttäuschung liefen mir haltlos die Wangen herunter, während der grässliche Mann wie ein preisgekrönter Schafscherer sein schreckliches Werk vollbrachte.
Als ich den Laden wie ein kahlrasierter Affe mit niedlicher Stirnlocke wieder verließ, war ich fürs Leben traumatisiert: Friseure machen mir Angst. Kennen Sie einen guten?
Weiterführende Artikel die zu meinem Beitrag themenrelevant sind:
Friseur und Frisuren Erfahrung
Der auf dieser Webseite angezeigte Artikel/Beitrag ist Urheberrechtlich durch R. Pustina geschützt. Es ist nicht gestattet den Inhalt oder Teile des Inhalts, ohne schriftliche Genehmigung, in welcher Form auch immer zu verwenden.